Revacept (PR-15, GPVI-Fc)

Die Adhäsion von Plättchen an arterielle Gefäßläsionen hat eine entscheidende Bedeutung für den Verlauf und die Komplikationen der Atherosklerose, die zu akuten Koronarsyndromen (z. B. Herzinfarkten) und Schlaganfällen führen kann.

Revacept ist ein humanes Fc-Fusionsprotein, das lokal die Aktivierung von Plättchen verhindert, indem es an arterielle Läsionen bindet wie ein Gefäßpflaster. In Effizienzstudien wurde dadurch die Entstehung von Blutgerinnseln (Thromben) in Arterien klar verhindert. Eine systemische Beeinflussung der allgemeinen Blutstillung findet nicht statt.

Dieses Medikament wurde bereits in einer kontrollierten Studie am Menschen gestestet, und war unbedenklich, und wird jetzt in größeren Patientenstudien weiter untersucht. Dabei wurden alle Dosen gut vertragen, keine relevanten Nebenwirkungen traten auf. Eine spezifische und dosisabhängige Hemmung der Aggregation im Blut der Probanden wurde gezeigt. Insbesondere wurde die allgemeine Blutstillung nicht beeinträchtigt: Die Blutungszeit wurde durch Revacept nicht verlängert. Es traten keine Blutungskomplikationen und keine verringerte Plättchenzahl (Thrombopenie) auf.

Eine Klinische Phase II-Studie (NCT01645306)  bei Patienten mit Schlaganfall oder transitorischer ischämischer Attacke (TIA) hat bereits alle vorgesehenen Patienten rekrutiert – eine endgültige Auswertung ist wegen des verblindeten Designs derzeit noch in Arbeit. Zusätzlich ist eine Investigator-initiierte klinische Phase II-Studie bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung (NCT 03315285; Eudra-CT 2015-000686) in einer Zusammenarbeit des Teams von Prof. Adnan Kastrati vom Deutschen Herzzentrum München, dem Team von Prof. Steffen Massberg vom Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München und anderen großen Kliniken begonnen worden, die im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) zusammen arbeiten. In dieser Studie wurden bisher ca. die Hälfte aller vorgesehenen Patienten rekrutiert. Dazu wurde auch einen Bluttest zur Risiko-Einschätzung („Stratifizierung“) von Patienten entwickelt.

 

Fusionsproteine mit GPVI-Fc

Neue Glykoprotein VI (GPVI)-Fusionsproteine mit CD39, d. h. einem Enzym, das die lokale Adenosin-Diphosphat (ADP)-Akkumulation hemmt, wurden konzipiert und exprimiert. GPVI- CD39 steigert die anti-thrombotische Wirkung im Vergleich zu reiner GPVI-Hemmung, z. B. in Flussprofilen über menschlichem Plaquematerial aus Operationen der Halsschlagader.